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Aktivitäten der ARGE Höhle und Karst Stuttgart 2026

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22.-23.5.2026 Kleiner Bericht von den Forschungsaktivitäten um Oberndorf

1) Doline bei Sulz 22.5.2026
Wir trafen uns um 14:00 Uhr vor Ort.
Wir, das sind: Michael und Chris, Wolfgang, Martin, Rainer und Christof von der Karstgruppe Mühlbach (KGM) und natürlich ich. Zu Besuch waren noch Samuel Föttinger und sein Bruder.

Die Sonne knallt direkt auf die Grabungsstelle und dementsprechend heiß wurde uns.
Erst mal haben wir großflächig das Loch breiter und tiefer gelegt, um besser arbeiten zu können.

Doline bei Sulz Doline bei Sulz

Dann haben wir mühselig und aufwändig, die Grasbüschel und den Dreck aus dem Loch entfernt. Währenddessen lief das Bächlein munter weiter in die Tiefe und drumherum schwirrten und summten die Bienen, Hornissen und Wespen. Wirklich ein sehr idyllisches Plätzchen und ein in Zukunft tolles Biotop.

Doline bei Sulz Doline bei Sulz

Als der Spalt soweit aufgegraben war, dass wir die Kamera runter lassen konnten, wurde es spannend. Die Kamera wurde in ein 25 m langes Lerrohr geschoben und in das Loch eingeführt.

Doline bei Sulz Doline bei Sulz
Doline bei Sulz Doline bei Sulz

Leider ließ sich die Kamera nur circa 1 m nach unten in die Tiefe schieben und traf dann auf einen horizontalen Teil, welcher mit der Kamera nicht richtig erfasst werden konnte. Der Knick war zu stark und wir kamen nicht um die Ecken herum.

Was man aber sehen kann, dass ein Stein und weitere Grasbüschel und Dreck den weiteren Weg etwas versperren. Wir sind uns sicher, dass wir eine feste Felsdecke haben, kommen aber aufgrund des eingeschwemmten Materials nicht weiter.

Das Wasser läuft zwar durch und zeigt uns den Weg, aber wir sehen nicht, wie es dahinter aussieht. Wir haben dann noch zahlreiche Eimer Wasser in das Loch gegossen, um das Ablaufverhalten des Wasser zu erkunden. Das Wasser staut sich kurz und läuft dann mit einem blubbern und gurgeln durch das Loch ab. Sehr spannend mit der Kamera zu sehen, wie schnell das Wasser abläuft und wohin es hin läuft.

Leider bringt uns das aber nicht wirklich weiter und ein ausgraben bis zu diesem Punkt wird jetzt zu gefährlich, da die Wände drohen einzustürzen. Man müsste also nun aufwändig verbauen, um dorthin zu gelangen. Es sind zwar nur 1,5 Meter, aber somit leider nicht machbar.

Wir werden die Doline weiter beobachten und bei den nächsten starken Regenfällen oder Schneeschmelze die Veränderung mit der Kamera dokumentieren und hoffen, dass das Wasser seine Arbeit tut und die blockierte Stelle frei legt.

Ich danke allen Beteiligten und freue mich auf die nächsten Aktionen.

2) Wasserfallhöhle 23.5.2026

Heute trafen wir uns mit großer Mannschaft um 10:00 Uhr an der Wasserfall Höhle in Oberndorf am Neckar . Michael Hottinger, Jörn Brumme, Michael und Chris, Felix, Axel, unser 3er Besuch aus Bayern (KGM), Samuel und ich.

Nach dem umziehen stiefelten wir bei doch schon sehr warmen Wetter den Hang hinauf und nahmen noch die zahllosen Bretter mit, die ich vorbereitet hatte.

Schon kurz vor der Höhle merkten wir, wie es deutlich kühler wurde und als wir vorm Eingang standen, spürten wir den extremen Luftzug, den die Höhle bei warmen Wetter immer wieder gerne produziert. Wir waren wohl die ersten seit dem letzten Hochwasser, denn der Gang war komplett unberührt. Wir waren dann alle relativ schnell hinten und haben uns sofort den Versturz angeschaut.

Die KGMler verschwanden ziemlich schnell in sämtlichen Spalten und durchforsteten den gesamten Bereich fachmännisch mit sechs Augen.

Währenddessen wurde es uns Wartenden einfach zu kalt (der Wind der Höhle war so stark, dass sogar ein Haar, Klebeband und Folie flatterte, also wunderbar, um es unseren Gästen vorzuführen).

Es wurden Windgeschwindigkeiten zw. 0,3 und 0,9 m/s gemessen.

Damit es den Wartenden nicht zu kalt wurde, hat sich jeder eine Beschäftigung gesucht. Wir haben zum Beispiel oberhalb des ehemaligen Siphonsee einen Weg angelegt, damit man auch bei Hochwasser bis nach hinten kommen kann.

Dann hat Axel im Wassergang den bisherigen Weg noch besser mit Steinplatten ausgelegt, so dass man in Zukunft deutlich komfortabler und trockener nach hinten kommen kann - vielen Dank!

In der Zwischenzeit haben Michael und Chris den Abfluss des Sees speläoskopiert:
Da das Rohr etwas zu kurz war, musst man sich so weit wie möglich in den Spalt hineinlegen und dabei genüsslich nass werden.
Eine V-förmige Abflussrinne von ca. 30x30cm lässt nach 2m noch keinen Schacht erkennen. Ein längeres Rohr mit 30-Grad-Kopf ist notwendig um mehr zu sehen.

Andere haben währenddessen die alten Holzbretter sortiert und nach draußen befördert und die neuen gleich nach drinnen.

Der Rest hat ausgiebig die Höhle in Augenschein genommen, und während wir so warteten und uns unterhielten und alles anschauten, kam uns plötzlich eine weiße Nebelwand entgegen.

Die KGMler hatten eine Rauchkerze gezündet und der weiße Rauch erfüllte sofort die gesamte Großhöhle und nur im Schluf zum Regenschlot und Interessanterweise auch an der Südseite der großen Halle war es nebelfrei. Mit dem starken Wind lichtete sich der dichte weiße Nebel schnell und zog nach draußen.

Wasserfallhöhle

Dass man im Schluf zum Regenschlot komplett ohne Rauch war und dieser sehr stark bewettert ist, war schon verwunderlich. Geht es da oben wirklich nicht weiter? Es wäre wohl interessant doch noch mal am vorhandenen Seil aufzusteigen und zu schauen, wo der starke Luftzug herkommt.

Zum Schluss haben wir noch das Speleoskop hinten im Versturz ausprobiert. Die KGMler haben ein geschultes Auge und tatsächlich im linken Gang mehrere große Spalten in der Decke entdeckt, welche eindeutig nach oben ins freie ziehen. Wir haben also wirklich da oben Neuland zu entdecken und das nicht weit entfernt.

Wasserfallhöhle Wasserfallhöhle

Natürlich muss alles verbaut werden und gesichert werden, um gefahrlos da durch zu kommen. Aber das sieht so gut aus, als ob wir nicht viele Aktionen dafür benötigen würden. Die Idee ist jetzt vorne, direkt im linken Teil des Versturzes Leitplanken zu setzen und sich mit der Felsbearbeitung durchzuarbeiten.

Da sieht man auch mal wieder, dass es immer gut tut, wenn man fremde Personen einfach mal an so einen Versturz lässt, die unvoreingenommen mit anderen Blick an das Ganze herangehen.

Da uns jetzt aber wirklich arschkalt war, haben wir uns relativ schnell alle nach draußen bewegt und das warme Wetter draußen in vollen Zügen genossen.

Zur Feier des Tages haben wir anschliessend leckeres Eis in der Oberndorfer Eisdiele genossen.

Danach trennte sich die Gruppe, und ein Teil ist noch ins Haugenloch gegangen (siehe den Extrabericht dazu).

Erst mal vielen Dank an alle, die heute dabei waren und zu dem positive Erfolg dieser Aktion beigetragen haben. Ein besonderer Dank an Axel für den steinernen Weg, und an die KGMler für Ihr Entdeckung im Versturz.

Wasserfallhöhle Wasserfallhöhle

3) Haugenlochhöhle 23.5.2026

Unser Besuch aus Bayern, Axel, Felix und ich sind dann noch ins Haugenloch. Auch dort haben wir Bretter bis in die kleine Halle oberhalb des Windschlufes geschleppt. Das ging erstaunlich gut und schnell mit so viel Mann.

Zuerst haben wir aber das Schloss am Eingang nicht öffnen können. Als ich dann schon aufgeben wollte, hatte einer aus unserer Gruppe dann doch noch den Dreh raus. Den Schlüssel muss man einfach nur umdrehen und anders reinstecken und schon ging das Schloss auf – auf die Idee muss man erst mal kommen!!

Auch hier empfang uns ein kalter Wind, und wir waren relativ schnell hinten. Wir haben uns dann alle Bereiche intensiv angeschaut und im großen Dom von der Decke sogar eine Steinplatte mit gezielten Steinwürfen runter geschossen, die da ziemlich blöd hing.

Ganz hinten im letzten Versturz ist Felix dann mal rauf gestiegen bis zu einem Sinterfall. Auch hier sieht es sehr spannend aus und man sollte dringend es noch mal genauer untersuchen.

Wir sind dann alle noch in Richtung Windschluf gezogen, Felix ist hinunter gegangen und hat sich die Situation vor Ort angeschaut. Das Drainagerohr funktioniert einwandfrei, es plätschert schön in den Schacht, der Windschluf selber ist gar nicht mehr so matschig, der Wind hat’s wohl doch etwas ausgetrocknet.

So können wir demnächst die nächste Aktion im Windschluf starten, um dort erstens die Bretter auszulegen, zweitens den Abfluss noch zu optimieren, um dann endlich die Siphonpfütze leer zu bekommen.

Abends sind wir dann alle noch gemütlich ins Turnerheim nach Oberndorf gegangen, und haben dort wirklich lecker gegessen und den schön Tag auf der Terrasse ausklingen lassen

Ein super Abschluss für einen tollen und erlebnisreichen Tag.
Herzlichen Dank an alle.
____________
Uwe Gehbauer


15.5.2026 Bericht von der Grabung an der Bösinger Höhle

Am Freitag waren Robin Wolf und ich an der Bösinger Höhle und haben mit der Sanierung des Einstiegs begonnen. Das Wetter war eher durchwachsen, aber kleinere Regenschauer machten uns nichts aus.

Zuerst haben wir den Abstieg in die Doline mit Treppenstufen versehen, da es sonst zu rutschig gewesen wäre.

Danach haben wir das Gestrüpp in der Doline entfernt, die herumliegenden Baumstämme und Steine für Trockenmauern verwendet und dann angefangen den Eingang ringsherum nach und nach abzugraben. Das Aushubmaterial haben wir dann zum Hinterfüllen der Trockenmauern verwendet.

Wir haben den Eingang soweit grob ringsherum vom Hang befreit. Dabei kam auf der rechten Seite ein Gitterblech und im vorderen Bereich ein altes Metallblech zum Vorschein.

Bei der nächste Aktion werden wir auf der vorderen Seite beim Metallblech den Hang noch weiter abgraben, um auch dort das Ende des Einstiegs zu erreichen. Wenn das Abgraben erledigt ist, müssen wir auch noch den Stollen vom Hang befreien, damit auch hier dann später ein Deckel aufgesetzt werden kann.

Bisher konnte der eigentliche Betonsockel noch nicht erreicht werden, da dieser locker 1 m unter Erde liegt. Vermutlich ist das aber auch gar nicht nötig.
Ulrich Gehbauer

Boesingerhoehle
Treppen am Hang.
Boesingerhoehle
Eingang unausgeräumt.
Boesingerhoehle
Eingang freigemacht.
Boesingerhoehle
Eingang

Neue Höhlen im Norden des Harthäuser Waldes (Edwin Karl)

Mit der Errichtung des Fotovoltaikfeldes beim Seehaus Widdern kam es im Juni 2021 auf Initiative der zuständigen Revierleiter und einem Fledermausexperten zu einem Treffen, um mögliche Ausgleichsmaßnahmen hinsichtlich des Fledermausschutzes zu eruieren, wobei Winterschutzquartiere im Vordergrund standen.

Die von mir im Vorfeld schon erfassten Karsterscheinungen ließen darauf schließen, dass dafür geeignetes Höhlenpotential vorhanden sein könnte, weshalb ich die Idee der Öffnung verschiedener Objekte einbrachte.

Gemeinsam war man der Meinung, dass natürliche Höhlen den angedachten Fledermauskontainern vorzuziehen sind. Infolgedessen erhielt ich die Grabungsgenehmigung für verschiedene Dolinen und Ponore. In den vergangenen Jahren konnten dadurch 21 Höhlen entdeckt werden, wovon viele als potentielle Fledermausquartiere in Frage kommen.

Die Forschungen im nördlichen Harthäuser Wald rückten nun erst 2025 mehr in den Fokus, so auch 2 Bachschwinden, die wir im Herbst in Angriff nehmen nahmen.

Die Vogelherdschwinde mit 9 m Tiefe und 11 m Gesamtlänge
Im Grabungsverlauf entlang 4 wendelförmig angelegter kleiner Räume konnte in 5 m Tiefe der Zugang zu einer Ost-West-Kluft geöffnet werden. Von dieser aus wurde der Zustieg zu einer mit 30 Grad nach unten führenden Blockhalde in Nordrichtung mit etwa 3m Breite freigelegt.

Nach 5 m geht es durch eine Engstelle nochmals 1,5 m tiefer, wo sich ein Gang anschließt, der in der Mitte mit Lehmablagerungen verplombt und bei künftigen Aktionen noch auszuräumen ist.

Die Gesamttiefe liegt bei 9 m und die Höhle hebt sich mit einer Besonderheit von den übrigen Höhlen ab, denn die Decke über der Bruchhalde besteht aus dicken senkrecht angeordneten Muschelkalkbänken, was die Vermutung nahelegt, dass es sich hier nicht um eine nur durch Wasseraktivität entstandene Höhle handelt, sondern eher um eine an einer Verwerfungslinie angelegte Verbruchzone.

Bachschwinde bei Wasserführung
Bachschwinde bei Wasserführung.
Jürgen Schäfer am Dreibein
Jürgen Schäfer am Dreibein.
Blick vom Durchstieg auf die schräg nach unten führende Blockhalde
Blick vom Durchstieg auf die
schräg nach unten führende Blockhalde.
Doppeldeckenröhre
Doppeldeckenröhre.

Die Kelchbecherlinghöhle mit 3 m Tiefe und 9 m Gesamtlänge
Die Bachschwinde, in einem kleinen Bach gelegen, weist einen Eingangsschlund auf, der vielversprechend aussah.

Bei der Grabung zeigte sich jedoch bald, dass das Wasser in einem kleinen Gerinne zwischen massivem Gestein in den Untergrund entschwindet.

Deshalb wurde die Weitergrabung in die nachgelagerte Schwundstelle verlagert, wo es in lockerem Erdreich nahezu 3 m in die Tiefe ging. Der weitere Vortrieb erfolgte dann in horizontaler Richtung durch ca. 10 cm dicke Gesteinslager, die durch Tonschichten getrennt waren.

Namensgeber: Scharlachroter Kelchbecherling am Schachtrand
Namensgeber: Scharlachroter
Kelchbecherling am Schachtrand".
Jürgen Schäfer vor der Grabungsstelle
Jürgen Schäfer vor der Grabungsstelle.

Nach 2 m wurde der Zugang zu einer quer verlaufende Schichtfuge mit Wasserzulauf von links erreicht. Zur rechten Seite schließt sich ein erster mannsgroßer Raum mit Bruchfugencharakter an. Große Steinplatten verhinderten eine Befahrung und mussten mühsam zerkleinert werden, bevor sie ebenso mühsam zum Schacht gescharrt und gezogen werden konnten.

Mit der Ausräumung konnten so weitere 4 Höhlenmeter hinzugewonnen werden. Damit ist das vorläufige Ende der Höhle erreicht, wobei sich durch einen nachfolgenden Felsspalt in 1,5 m Entfernung eine nächste Erweiterung abzuzeichnen scheint.

Jürgen auf dem Weg zur Endhalle
Jürgen auf dem Weg zur Endhalle.
Derzeitige Endhalle vor der Ausräumung
Derzeitige Endhalle vor der Ausräumung.

In dem Fledermausbericht der Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald (2025) wurden diese zwei Höhlen auf Seite 20 erwähnt.
Edwin

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